Aktuelles

Pflegemaßnahme 2020 im Kaulenbachtal

Knapp fünf Dutzend freiwillige Helfer im Einsatz für Natur und Kultur im Kaulenbachtal

Auch 2020 wieder hohe Teilnehmerzahl anlässlich der Freischneide- und Pflegemaßnahmen im Natur- und Denkmalschutzgebiet

Nahezu 60 freiwillige Helfer unterstützten, trotz teilweise widriger Wetterbedingungen, die Freischneide- und Pflegeaktion im Natur- und Denkmalschutzgebiet Kaulenbachtal.              Foto: Dieter Laux

Vollends begeistert sind Alexander Tholl, Naturschutzbeauftragter des Vereins zur Erhaltung der Schieferbergbaugeschichte sowie der Vereinsvorsitzende Dieter Laux anlässlich der wieder einmal hohen Teilnehmerzahl zur Durchführung der Pflegemaßnahmen im Kaulenbachtal. Trotz widriger Wetterumstände am Morgen des 26. September, finden sich 58 freiwillige Helfer und Helferinnen am Sammelpunkt ein. Patenschaftsträger wie der Pfadfinderstamm Müllenbach-Laubach, die Freiwilligen Feuerwehren Laubach und Müllenbach sowie die Schlepperfreunde Schieferland haben, wie jedes Jahr, ihre Hilfe angeboten und Personal entsandt. Die Feuerwehr Leienkaul wird, so die Absprache mit dem Schieferverein, am 10. Oktober ihren Patenschaftsbereich (Halde Mariaschacht) bearbeiten und dabei wohl weitere 10 bis 15 Aktive aufbieten.

Schnell sind die Arbeitsgruppen unter Berücksichtigung der aktuell geltenden Corona-Restriktionen eingeteilt und die Helfer auf die Wahrung der Abstandsregeln hingewiesen, bevor man sich in die steilen Schieferhänge des Kaulenbachtals begibt. Die Pflege und das Freistellen der riesigen Haldenflächen (6 Hektar Pflegefläche) des ehemaligen Schieferbergbaus ist eine der vorrangigen Aufgaben des Schiefervereins in seinen Bemühungen die ehemalige Bergbaubrache als einzigartiges Habitat für Flora und Fauna zu sichern, so berichtet Vorstandsmitglied Alexander Tholl. Dr. Corinna Lehr (biodata Mainz), als Biotopbetreuerin zuständig für das Naturschutzgebiet Kaulenbachtal, achtet bei den Arbeiten darauf, dass keinesfalls schutzwürdige Bestände unter die Messer der Freischneider und Kettensägen kommen. Immer wieder würdigt sie das Engagement des Schiefervereins, dem es jährlich gelingt nicht nur die hohen Zahlen freiwilliger Helfer zu erhalten, sondern oft sogar noch zu erhöhen. Der Schieferverein schafft es, eine hohe Identifikation seiner Mitglieder aber auch der Bevölkerung der Region mit dem Naturschutz im Kaulenbachtal zu erzeugen, so berichtet sie. Nicht zuletzt ist es auch die Geschichte der Vorfahren, die fast sämtlich in den vergangenen Jahrhunderten einen Bezug zum Schieferbergbau hatten, die die Helfer motiviert eine aus dieser Entwicklung heraus entstandene Kulturlandschaft zu erhalten. Dass dies von Erfolg gekrönt ist, zeigen das Interesse und die Zahl der geführten Wanderer auf dem Schiefergrubenwanderweg, der inmitten des Natur- und Denkmalschutzgebietes verläuft, welche zwischenzeitlich weit über 15.000 beträgt. Hierbei ist es dem Verein herausragend wichtig, einen sanften Wandertourismus zu fördern, der keinesfalls den Naturschutzaspekt beeinträchtigen darf.

Spaß an der Naturschutzarbeit und gleichzeitig hohe Identifikation mit „ihrem“ Natur- und Denkmalschutzgebiet, das zeichnet die Helfer der Pflegemaßnahmen aus.          Fotos: Dieter Laux

Viele Helfer bedeutet, dass Maschinen und Geräte zur Verfügung gestellt werden müssen, damit eine effektive Durchführung der Pflegemaßnahmen gewährleistet werden kann. Der Schieferverein hat in den vergangenen Jahren mit Förderung der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz, die wiederum unterstützt wird durch finanzielle Mittel von Lotto Rheinland-Pfalz, einen stattlichen Maschinen- und Gerätepool zusammengestellt, der bei den Maßnahmen zum Einsatz kommt. Viele Geräte dürfen nur mit Schutzbekleidung und Einweisungsnachweisen betrieben werden. Auch dafür wurde in der Vergangenheit Vereinspersonal ausgestattet und ausgebildet. So werden durch dieses speziell ausgebildete Personal schon im Vorfeld der großen Pflegemaßnahme die Schneidearbeiten durchgeführt, damit die Helfer meist nur noch das Schnittgut abtransportieren müssen. Mit Astscheren und Handsägen können dann auch die Restarbeiten von Jedermann erledigt werden. Zur Mittagszeit und damit zum Abschluss des Pflegetages sorgt der Verein für ein gutes Mittagessen und reichlich Getränke. So freut man sich unter den Helfern bereits jetzt wieder, auch die Maßnahme 2021 unterstützen zu können. Der Vereinsvorstand arbeitet indes daran, auch zukünftig noch viele weitere Helfer aktivieren zu können. 80 Helfer, war bisher unsere Rekord-Teilnehmerzahl, sollten wir in den kommenden Jahren die 100 schaffen, überlegen wir uns eine ganz besondere Würdigung für unsere Helfer, so plant der Vereinsvorstand. 

Eine besondere Ehrung erhielten die beiden jüngsten Teilnehmer, D. Schmitt und N. Lescher. Beide haben die Helfer des Schiefervereins auch schon in den Vorbereitungsmaßnahmen zur Freischneideaktion in den vergangenen Monaten freiwillig unterstützt und erhalten dafür eine Schiefergravur mit dem Wappen ihres Bundesliga-Vereins.                                     Foto: Dieter Laux

Mutwillige Sachbeschädigung im Kaulenbachtal

 Liebe Mitglieder, liebe Freunde des Schiefervereins, liebe Wandergäste,

im Zeitraum von Freitag 26.06.2020 ca. 15.00 Uhr, bis Samstag 27.06.2020 ca. 16.00 Uhr kam es im Bereich Spalthaus auf der Herrenwiese im Kaulenbachtal zu einer mutwillig, groben Sachbeschädigung. Hierbei wurde die handgravierte Hinweistafel vor der Gedenkwand „All de duude Koulemänner“ zuerst mit roher Gewalt umgeknickt und hiernach mit einer Kreuzhacke, die zuvor im Spalthaus entwendet wurde, zerschlagen. Wir würden uns über sachdienliche Hinweise freuen, die zur Erstattung einer Anzeige führen können. Eine solche Zerstörungswut an Kulturgut, die zugleich einen Straftatbestand darstellt, ist nicht hinnehmbar und muss Konsequenzen haben. Hinweise, auch anonym, bitte an unsere Kontaktadresse.

Auf dem Foto ist die Zerstörung der Hinweistafel zu erkennen. Zuerst wurde die Tafel mit roher Gewalt aus der Verankerung gerissen und umgelegt, hiernach mit der zuvor im Spalthaus entwendeten Kreuzhacke zerschlagen. Das Foto oben rechts zeigt die Zerstörung der Platte nach der Wiederaufrichtung. Die Kleidungsstücke auf den Fotos unten wurden im Spalthaus hinterlassen und könnten Hinweis auf die Täter geben.

Update 29.06.2020: Ein Zeuge hat am Nachmittag des 26.06.2020 sechs jugendliche (geschätzt zw. 13 und 15 Jahren) Mountainbiker im Spalthaus angetroffen. Zuvor hat er deutliche Geräusche vernommen, welche sich wie das Zerschlagen von Schiefer anhörten. Bei seinem Eintreffen im Spalthaus waren die sechs Jungs damit beschäftigt, Salzstangen, Flips oder sonstige Süßigkeiten zu verzehren. Dies wird durch das Auffinden vieler leerer Tüten und Verpackungsmaterial im Spalthaus bestätigt. Zu den Mountainbikes fielen zwei besonders durch ihre Lackierung auf. Ein Rad war grell rot, das Zweite grün. Der Zeuge, aus dem Ort Müllenbach, hat die Jugendlichen nicht gekannt.

Beweidungsprojekt gestartet

Cochem-Zeller Beweidungsprojekt beginnt da, wo die Idee ihren Anfang nahm

Wanderschäfer Steffen Carmin startet im Kaulenbachtal mit einem Schafweideprojekt für den Kreis Cochem-Zell. 250 Coburger Fuchsschafe sorgen in den kommenden 3 Jahren im Rahmen des Pilotprojekts für den Naturschutz im Kreis.

Die 250-köpfige Herde von Schäfermeister Steffen Carmin startete im Kaulenbachtal. (Foto: D. Laux)

Nichts war sinnvoller, als eine Idee, die in der Schieferregion Kaulenbachtal ihren Anfang nahm, auch dort zu starten. Seit Jahren unterhält man sich seitens des Vereins zur Erhaltung der Schieferbergbaugeschichte sowie den zuständigen Biotopbetreuern Dr. Corinna Lehr und Winfried Schepp (biodata Mainz) nach jeder Pflegemaßnahme im Kaulenbachtal über die Möglichkeiten ein Beweidungsprojekt als Unterstützung durchzuführen. Jährlich im Oktober hat sich der rührige Verein zur Aufgabe gemacht, das Natur- und Denkmalschutzgebiet im Rahmen überwachter Freischneide- und Pflegemaßnahmen von Wildwuchs und der drohenden Überwucherung zu befreien, die fortschreitend die einzigartigen Lebensräume seltener Tier- und Pflanzenarten in der Industriebrache des ehemaligen Schieferbergbaus einschränken. Durchschnittlich 50 – 80 freiwillige Helfer nehmen hieran jährlich teil und zeigen damit ein wohl einzigartiges Engagement für die Natur. Regelmäßig wurde in der Nachbesprechung zur durchgeführten Maßnahme auf die Möglichkeit einer Beweidung eingegangen und mit den Biotopbetreuern besprochen.

Zwischen Gebäuderesten des ehemaligen Schieferbergbaus suchen die Schafe ihr Futter (Foto: K.Forys)

Dr. Corinna Lehr, die für die Biotopbetreuung im gesamten Kreis zuständig zeichnet, setzte sich über Jahre für ein Beweidungsprojekt ein, wusste jedoch, dass sich ein solches nicht nur auf das Kaulenbachtal beschränken konnte. Viele Gespräche und Anträge waren nötig, um die Verbandsgemeinde- und Kreisbehörden, sowie die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz für ein Pilotprojekt - Schafbeweidung Cochem-Zell zu mobilisieren. Ein Wanderschäfer, der bereit war die geplante Maßnahme maximal zu unterstützen war schon früh gefunden. Der 35-jährige Schäfermeister Steffen Carmin, der seinen Wohnsitz von der Nahe ins Eifelland nach Möntenich verlegte um das geplante Pilotprojekt durchführen zu können. Die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz, mit ihrer Vorsitzenden Umweltministerin Ulrike Höfgen, ist dauerhaft bemüht die nachhaltige Entwicklung des Landes und seiner abwechslungsreichen Kulturlandschaft zu forcieren und zu fördern. Das Projekt Wanderschäferei im Kreis Cochem-Zell, welches dem Erhalt und der Entwicklung von Natur und Umwelt dient, wird aus diesem Grunde von der Stiftung materiell und ideell gefördert.

Auch die steilen Hanglagen stellen für die Coburger Fuchsschafe kein Problem dar (Foto: K. Forys)

In der 13. Kalenderwoche konnte Steffen Carmin seine neue Herde in Kirchwald, Kreis Mayen-Koblenz übernehmen und in den folgenden Tagen zur ersten Station des Beweidungsprojekts, der Schieferregion Kaulenbachtal, führen. Hier fand am Morgen des 05. April unter Anwesenheit von Landrat Manfred Schnur – der das Projekt als landespflegerische Herausforderung betrachtet – VG Bürgermeister Albert Jung, Vertreter der Stiftung Natur und Umwelt, den Biotopbetreuern und vielen weiteren Projektbegleitern der offizielle Start des Beweidungsprojekts statt. Schon am Nachmittag waren die 250 fleißigen Naturpfleger auf den Halden- und Wiesenflächen im Kaulenbachtal unterwegs um ihre Arbeit für die Kulturlandschaft und Artenpflege aufzunehmen. Der Vorsitzende des Vereins zur Erhaltung der Schieferbergbaugeschichte begrüßte den Schäfer persönlich im Bereich der Grube Colonia unterhalb der höchsten Schieferhalde Deutschlands, wünschte gutes Gelingen für das Projekt „Wanderschäferei Cochem-Zell“ und freute sich über die tolle Unterstützung durch die Herde beim Freistellen der unverwechselbaren Kulturlandschaft im Kaulenbachtal.

Der Vereinsvorsitzende begrüßte Schäfermeister Steffen Carmin in der Schieferregion Kaulenbachtal und freute sich gemeinsam mit ihm über das tolle Bild welches die Herde vor der Kulisse der riesigen Schieferhalden bot.

Steffen Carmin, der sich völlig angetan von der beispiellosen Landschaft im Kaulenbachtal zeigte und sich auch im Vorfeld eingehend über die Arbeit des Schiefervereins informiert hat, lässt es sich nicht nehmen zukünftig Mitglied in dem Verein zu werden, der sich auf solch phänomenale Weise für eine Kulturlandschaft einsetzt. Der weitere Zugweg der Schafherde führt in den kommenden Wochen und Monaten über Kaisersesch, das Pommerbachtal hinunter bis an die Mosel. Hier wird wohl Anfang Mai mit der Moselüberquerung in Treis-Karden ein besonderes Ereignis stattfinden bevor es weiter über Lütz und die Hunsrücker Moselhöhen in Richtung Bremm geht. Hier ist Umkehr und die Herde macht sich auf gleicher Streckenführung auf den Rückweg in Richtung Ausgangspunkt Kaulenbachtal, wo sie im August/September wieder erwartet wird.

Ein tolles Bild, die Schafherde zwischen den historischen Mauerresten im Kaulenbachtal. Der Schieferverein freut sich schon auf die Rückkehr der Herde im August/September (Foto: K.Forys)

Stiftung Natur und Umwelt unterstützt Schieferverein

Mainzer Umweltstiftung unterstützt Schieferverein

Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz fördert die Anschaffung von Geräten und Maschinen zur Pflege des Natur- und Denkmalschutzgebiet Kaulenbachtal.

Seit dem Jahre 1995, seinem Gründungsjahr, setzt sich der Verein zur Erhaltung der Schieferbergbaugeschichte für die Pflege des Naturschutzgebietes Kaulenbachtal, der Industriebrache des ehemals größten und bekanntesten Schieferabbaugebiets westlich des Rheins ein. Der Schieferbergbau der vergangenen Jahrhunderte hat hier im Tal, zwischen den Orten Müllenbach, Laubach und Leienkaul gelegen, eine Landschaft hinterlassen, die heute als vorrangig schutzwürdig und mit hoher Einstufung als europäisches FFH-Gebiet (Flora/Fauna/Habitate) geführt wird. Der Verein zur Erhaltung der Schieferbergbaugeschichte ist bemüht im Rahmen jährlich stattfindender Pflegemaßnahmen die durch die leitende Biotopbetreuerin Frau Dr. Corinna Lehr (biodata Mainz) betreut werden, diesen Status im Rahmen seiner personellen und materiellen Möglichkeiten zu erhalten. Jedes Jahr kann der Verein mehr Menschen dazu bewegen die Freistell- und Pflegeaktionen im Kaulenbachtal zu unterstützen. „Wir haben es geschafft, dass sich die Anrainer der Schieferregion für ihre Geschichte und die einmalige Flora und Fauna im Tal interessieren, sich gemeinsam für die Erhaltung einsetzen“, so berichtet der Vereinsvorsitzende Dieter Laux. Der Pfadfinderstamm Müllenbach-Laubach, sowie die drei Freiwilligen Feuerwehren der Kaulenbachtal-Anrainerorte haben in den vergangenen Jahren Patenschaften in dem Naturschutzgebiet übernommen und unterstützen so ebenfalls die Naturschutzmaßnahmen. Damit die vielen freiwilligen Helfer ihre Arbeit effektiv durchführen können, müssen sie mit Maschinen und Geräten ausgerüstet werden, deren Beschaffung der Verein zur Erhaltung der Schieferbergbaugeschichte im vergangenen Jahr eingeleitet hat. Hierzu wurde ein Förderantrag an die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz in Mainz gestellt, die mit Mitteln der Glücksspirale unterstützt wird, damit die Anschaffung den Etat des 150 Mitglieder zählenden Vereins nicht zu sehr in Mitleidenschaft zieht. Bei der Stiftung, die bis zum Jahre 2017 Besitzerin der riesigen Schieferhalden im Kaulenbachtal war, diese jedoch wegen der erforderlichen hohen Präsens vor Ort an die Ortsgemeinden Müllenbach, Laubach und Leienkaul verkauft hat, ist die hervorragende Naturschutzarbeit des Vereins und seiner vielen freiwilligen Helfer bekannt. „Wir begrüßen das Engagement ausdrücklich und wünschen uns, dass die gute Kooperation zwischen Behörden und Zivilgesellschaft, zwischen Naturschutz und Denkmalpflege auch in den kommenden Jahren konstruktiv weiter geführt werden kann“ sagte Jochen Krebühl, Geschäftsführer der Stiftung Natur und Umwelt anlässlich der Flächenübergabe im vergangenen Jahr. Eine verlässliche Aussage, wie sich nunmehr mit der 90%-igen Förderung der Gerätekosten in Höhe von 4.200 Euro gezeigt hat.

Vorstandsmitglied Alexander Tholl unterweist sachkundig die zukünftigen Nutzer der Pflegegeräte, deren Anschaffung durch die Stiftung Natur und Umwelt RLP in Mainz großzügig unterstützt wurde.

Anlässlich einer ersten Maßnahme im Bereich des neu erstellten Spalthauses auf der Herrenwiese, wurden die Geräte nunmehr vorgestellt und die zukünftigen Bediener durch das sachkundige Vereinsmitglied Alexander Tholl eingewiesen. Dafür, dass das Projekt „Kaulenbachtal“ eine Erfolgsgeschichte bleibt, setzt sich der Schieferverein auch in Zukunft ein. „Wir hoffen auch in den kommenden Jahren neue Vereinsmitglieder zu gewinnen und weitere Anwohner der Schieferregion zur Unterstützung der Pflege des Kaulenbachtals animieren zu können“, hofft der Vereinsvorsitzende. Der Schiefergrubenwanderweg, der unterhalb der Schieferhalden, vorbei an alten Bergmannshäusern, verlassenen Schieferstollen und ehemaligen Betriebshäusern, inmitten der wundervollen Landschaft verläuft, wird in diesem Jahr voraussichtlich den 15.000 geführten Wanderer begrüßen können. Acht ehrenamtliche Wanderführer vermitteln den Gästen aus Nah und Fern auf kostenlosen Führungen die Besonderheiten des Schiefertals, eingebettet zwischen den Orten Müllenbach, Laubach und Leienkaul.

Kaulenmännchen wird in Schiefer verewigt

Kaulenmännchen wird in Schiefer verewigt

Von: Brigitte Meier(Beitrag der Rhein-Zeitung vom 21.01.2016)

Sage Im Auftrag von Sponsoren fertigt Steinmetz Friedhelm Weber in Ulmen eine Skulptur für den Schiefergrubenwanderweg im Kaulenbachtal.

Dieter Laux und Dorothee Müller-Renn (2. und 3. von links) besprechen in der Werkstatt von Friedhelm Weber (rechts) den Entwurf der Skulptur. Der Bildhauer aus Ulmen wird das Bildnis des Kaulenmännchens in einen Schieferblock hauen.  (Foto: Brigitte Meier)

 

Wenn die Wanderführer des Vereins zur Erhaltung der Schieferbergbaugeschichte ihre Gruppen über den Schiefergrubenwanderweg durch das Kaulenbachtal zwischen Müllenbach, Laubach und Leienkaul führen, erzählen sie ihnen gern die Sage vom „Kaulenmännchen“ (siehe unten). Insbesondere die Kinder sind fasziniert von der überlieferten Erzählung aus dem kargen Leben der hart unter Tage arbeitenden ehemaligen Schieferbrecher.

Da Dorothee Müller-Renn, Geschäftsführerin der Firma Brillen-Müller, beeindruckt von der Arbeit des Vereins ist, hat sie sich überlegt, wie sie diese unterstützen kann: „Als ich die Sage vom Kaulenmännchen hörte, kam mir die Idee, den Bergkobold bildlich darstellen zu lassen.“ Und was liegt da näher, als eine in Schiefer gehauene Skulptur, die sie dem Verein stiften möchte. Mit der Steinmetzarbeit wurde der Bildhauer Friedhelm Weber aus Ulmen beauftragt. Vereinsvorsitzender Dieter Laux ist wie der Vorstand begeistert von dieser Idee der Kulturförderung. Er erklärt: „Wenn unsere Wanderführer den Gästen ein Bild des geheimnisvollen Zwergs zeigen können, wird die alte Sage noch lebendiger." Die Skulptur soll am Eingang des Julius-Stollens aufgestellt werden, denn dort ist das Kaulenmännchen der Sage nach einem armen Schieferbrecher erschienen.

Friedhelm Weber hat bereits ein Motiv entworfen, das er nun in einen mächtigen von der Firma Rathscheck kostenlos zur Verfügung gestellten 1,60 Meter hohen Schieferblock meißelt. Die Szene unter Tage zeigt den kleinen Wicht, der auf einem Schnapsfässchen steht – vielleicht haben die Bergleute die Geschichte einst unter Einfluss von billigem Fusel erfunden? – und dem überraschten Schieferbrecher mit einem Zauberstab den Goldschatz zeigt. Weber erklärt: „Das Kaulenmännchen wird als kleiner Kerl mit einem Kapuzenmäntelchen beschrieben, und so möchte ich es auch darstellen.“ Zu sehen ist auch das Bein des verunglückten Bergmanns in seinem Grab aus Schiefergestein. Der Verein und die Sponsoren planen, die Skulptur als weitere Attraktion am Schiefergrubenwanderweg am Pfingstsamstag, 14. Mai, bei Eröffnung des neuen Rundwanderweges „Schieferregion Kaulenbachtal“ und zur Einweihung des restaurierten Spalthauses auf der Herrenwiese ihrer Bestimmung zu übergeben.

 

Die Geschichte des Kaulenmännchens

Das Kaulenmännchen erschien einem armen Schieferbrecher aus Müllenbach tief unten im Julius-Stollen und versprach Reichtum durch einen Goldschatz. Bedingung war jedoch, dass der Schieferbrecher niemandem von der Begegnung mit dem Bergkobold erzählen durfte. Lange konnte er das Versprechen halten. Doch eines Tages auf der Müllenbacher Kirmes verriet er seinen Bergmannskameraden das Geheimnis. Und die Warnung des Kaulenmännchens, dass der Schieferbrecher seinen Geheimnisverrat mit dem Tod bezahlen würde, wurde wahr. Der Bergmann kam bei einem Grubenunglück ums Leben, und seine Leiche, verschüttet von tausend Tonnen des Schiefergesteins, wurde nie gefunden. Um für kinder die Wanderung spannend zu machen, lässt der Schieferverein das „Kaulenmännchen“ am Stollen erscheinen und kleine „Goldstücke“ verteilen. Denn die Sage berichtet auch, dass der Kobold vielleicht doch einmal „einem armen Schlucker“ im Kaulenbachtal zum Reichtum verhilft.

 

Schieferverein erhält römische Dachschiefer vom Martberg

 

Auch die Römer deckten schon mit Schiefer

Schieferverein erhält von Pommerner Geschichtsforscher römische Dachschiefer für seine Ausstellung im zukünftigen „Kulturzentrum Schieferregion“.

 

Dieter Laux (li.), Vorsitzender des Vereins zur Erhaltung der Schieferbergbaugeschichte und Albert Jung (re.), konnten von  Winzer und Geschichtsfreund Alfred Fuchs aus Pommern fast 2000 Jahre alte römische Dachschiefer für die Ausstellung im Kulturzentrum Schieferregion als Dauerleihgabe entgegen nehmen.

 

 

Eigentlich hatte sich der Pommerner Winzer, Geschichtsfreund und Hobbyarchäologe Alfred Fuchs nie besonders mit der Geschichte des Schiefers als Dacheindeckung beschäftigt. Erst, als Albert Jung ihn im Rahmen einer Führung auf dem Martberg mit dem Vorsitzenden des Schiefervereins aus Müllenbach bekannt machte, erinnerte sich Fuchs an die Grabungen auf dem Martberg, bei denen auch römische Dachschiefer zum Vorschein kamen. Der Grabungsleiter hatte ihm damals erlaubt, einige Steine für seine private Sammlung zu entnehmen, bevor die Grabungsstelle nach der Befundaufnahme wieder überschüttet wurde. Wie der wissenschaftlichen Fachlektüre zu entnehmen ist, wurde der Umgang eines Tempels auf dem Martberg um 200 n. Chr. mit Schiefer eingedeckt. Detailliert heißt es hier: „Auf der halbhohen Mauer des Umgangs standen tragend rote Sandsteinsäulen, sie stützten das Schiefergedeckte Dach des Umgangs“. Das die Römer es verstanden in erstaunlich technisch vollendeter Art neben Ziegeln auch Schiefer als Dacheindeckung zu nutzen, ist auch von Ausgrabungen in Xanten und an der Saalburg sowie der römischen Höhenbefestigung auf dem Mayener Katzenberg bekannt.

Das sich Alfred Fuchs nunmehr dazu entschloss, seine römischen Dachschiefer für die Ausstellung des Vereins zur Erhaltung der Schieferbergbaugeschichte im zukünftigen „Kulturzentrum Schieferregion“ in Müllenbach als Dauerleihgabe zu überlassen, ist Amtsbürgermeister Albert Jung zu verdanken, der sich für diese Leihgabe einsetzte. Schiefervereinsvorsitzender Dieter Laux und Albert Jung konnten nun die Exponate aus dem Bestand von Winzer Alfred Fuchs in Empfang nehmen. Laux freute sich riesig, den Besuchern des Kulturzentrums demnächst die römischen Hinterlassenschaften in der Vereinsausstellung präsentieren zu können. Er dankte Fuchs für sein bemerkenswertes Entgegenkommen. Quasi als Nebenbefund konnte Geschichtsfreund Fuchs auch noch Kopien alter Kirchenakten der Pfarrkirche St. Stephanus in Pommern vorweisen. 1107 gebaut, musste die Kirche 1784 bis 1786 renoviert werden. Eine Rechnung aus dem Jahre 1786 zeigt, dass zur Eindeckung des Kirchenschiffs 125 Reis (1 Reis = Stapel von 2,35 m fertiger Dachschiefer) aus den Gruben bei Müllenbach angeliefert wurden. 15 Reis kamen aus Zell (Wahrscheinlich Altlayer Bachtal).

Schieferverein besucht Martberg

 

Schieferverein auf den Spuren der Kelten und Römer

Vorstandsmitglieder, Wanderführer, Wege- und Kulturwarte des Vereins zur Erhaltung der Schieferbergbaugeschichte aus der Schieferregion Kaulenbachtal, besuchten auf Einladung von Albert Jung und Winzer Alois Schneiders den Martberg.

Foto: Die Mitglieder des Verein zur Erhaltung der Schieferbergbaugeschichte mit ihren Gastgebern Albert Jung und Alois Schneiders am Aussichtspunkt Fahrlei, hoch über der Mosel.

 

Begeistert waren die Mitglieder des Vereins zur Erhaltung der Schieferbergbaugeschichte von der informativen Führung durch Albert Jung – beisitzendes Vorstandsmitglied im Martberg Förderverein - die in Pommern begann und über rund 180 Höhenmeter hinauf zur gallorömischen Tempelanlage auf den Moselhöhen führte. Die historische Wegführung des Lenus-Mars-Weg erlaubte immer wieder herrliche Panoramablicke über das Moseltal. Albert Jung berichtete den Schieferfreunden aus seiner neuen Verbandsgemeinde an markanten Punkten sehr detailliert über die keltisch-römische Geschichte des Martbergs und stellte anhand der lebensgroßen Holzskulpturen, welche im Verlauf der Wegführung installiert sind, die verschiedenen Epochen der Besiedelung des „Mons Martis“ vor. Ein besonderes Erlebnis war die Besichtigung der rekonstruierten Tempelanlage auf dem Bergplateau zwischen Pommern und Karden. Die Bauten geben einen Einblick in die Beschaffenheit einer befestigten Großsiedlung, dem so genannten Oppidum, vor fast 2000 Jahren.

Nach der eindrucksvollen Besichtigung sorgte Winzer Alois Schneiders am Aussichtspunkt Fahrlei, hoch über der Mosel, mit der Verkostung des von ihm hergestellten „Schieferland Riesling“ und kleinen Häppchen für den kulinarischen Genuss. Auch Schneiders verbindet eine Freundschaft mit dem Schieferverein. Im vergangenen Jahr hatte er, wie alljährlich, seine Kunden aus ganz Deutschland zum Hoffest nach Pommern geladen. Eines der Highlights des dreitägigen Winzer-Hoffestes war hierbei die Wanderung von Müllenbach durch das Tal des Moselschiefers und die wilde Endert nach Cochem, mit abendlichem, weinseligem Abschluss in Pommern. Etwa 60 Gäste waren begeistert von der Schönheit der Schieferregion Kaulenbachtal sowie der Mühlengeschichte der „Wilden Endert“. Wanderführer Dieter Laux und Hubert Köhn, konnten dabei bleibende Erinnerung bei den Weinfreunden erzeugen. Noch immer, so berichtet Alois Schneiders, werde ich von meinen Gästen auf das Erlebnis „Schiefer und Wein“ im vergangenen Jahr angesprochen. Es gibt sie also doch, die kulturelle und touristische Verbindung zwischen Mosel und Eifelregion.

Der Schieferverein pflegt Freundschaften und Verbindungen. So konnte man bei guten Gesprächen und lustiger Runde, nach einer erlebnisreichen Führung, den Abend in der Straußwirtschaft des Moselwinzers beschließen. Vereinsvorsitzender Dieter Laux dankte den beiden Akteuren und Gastgebern und überreichte jedem eine Schieferschatulle mit „Original Müllenbacher Schieferbrecher“. Mit einem dreifachen „Glück Auf“ verabschiedete man sich am späten Abend. Für alle Beteiligten stand fest: Schiefer, Wein und Kultur, das gehört zusammen.

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